Geschichte des Hauses

Von 1945 bis heute

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wurde das ehemalige Atelier Arno Brekers zunächst von der Information Control Division (ICD) der US­amerikanischen Besatzungsmacht genutzt. Diese kontrollierte und lizenzierte Kulturinstitutionen und Publikationsmedien.

Nachdem die ICD das Gebäude verlassen hatte, wurde es der städtischen Verwaltung übertragen. Kurt Reutti, damaliger Mitarbeiter der Zentralstelle zur Erfassung und Pflege von Kunstwerken, bot das Atelier zunächst den ehemals Staatlichen Museen und der Hochschule für Angewandte Kunst in Berlin­Weißensee an. Beide Institutionen lehnten eine Nutzung ab. Neben der eher ungünstigen Verkehrslage waren es vor allem die wachsenden politischen Spannungen zwischen den Besatzungsmächten, die diese Entscheidung beeinflussten: „Es dürfte im Augenblick leider nicht ganz opportun sein, von uns aus, die wir im Ostsektor wohnen, Schritte zu unternehmen, eine künstlerisch­territoriale Bresche in den amerikanischen Sektor zu schlagen, da im Augenblick beide Hoheitsgebiete in solchen Punkten etwas überempfindlich geworden sind“, begründet der kommissarische Direktor der Hochschule, Jan Bontjes van Beek, seine Absage.

Nachdem weder die Museen noch die Hochschule das Atelier nutzen wollten, wurde das Gebäude der Berliner Steinmetzinnung zur Verfügung gestellt. Auch der Plan Reuttis, Teile des Ateliers für „bedeutende Bildhauer zur Ausführung grösserer bildhauerischer Arbeiten“ zur Verfügung zu stellen, kann verwirklicht werden: 1949 bezieht der Bildhauer Bernhard Heiliger auf Vermittlung Adolf Jannaschs, dem damaligen Leiter des Amtes für Bildende Kunst beim Senat von Berlin, den Ostflügel des Gebäudes. Heiliger, ehemaliger Student Arno Brekers, war 1949 in den US-­amerikanischen Sektor der Stadt übergesiedelt. Der Einzug in das Atelier seines ehemaligen Lehrers war für den Bildhauer nicht unproblematisch. Einem Freund gegenüber beschrieb Heiliger seine Bedenken mit den Worten: „Seit ich das neue große ehemalige Staatsatelier Brekers in Dahlem zur Verfügung gestellt bekam, ist manches Neue entstanden. Ich hatte zuerst einige Scheu zu überwinden, dort hinein zu ziehen, wie Sie sich sicher denken können, es dann aber doch getan, da die Gelegenheit einmalig ist, ein solches Atelier zu erhalten. Jetzt fühle ich mich hier sehr wohl, trotz des Komforts.“ Neben dem Atelier konnte Heiliger auch drei Wohnräume nutzen, sodass er bis zu seinem Tod 1995 im Käuzchensteig lebte und arbeitete. 1996 bezog die nach dem Tod des Künstlers gegründete Bernhard-Heiliger-Stiftung die Räumlichkeiten im Käuzchensteig.

1964/65 zog Emilio Vedova als erster internationaler Künstler in den Mittelbau des Gebäudes ein. Der Italiener, der mit einem Stipendium der US­amerikanischen Ford Foundation und auf Einladung Werner Haftmanns seit November 1963 in Berlin lebte, schuf hier unter anderem sein großes Werk Absurdes Berliner Tagebuch, eine begehbare Malerei-­Installation, bestehend aus mehreren bemalten Holztafeln, die frei im Raum stehen oder von der Decke hängen. Die Arbeit wurde 1964 auf der documenta III und 1965 im Zehlendorfer Haus am Waldsee ausgestellt. 2002 schenkte der Künstler sie der Berlinischen Galerie.

Ein Jahr nach Vedovas Auszug, 1966/67, veränderte sich auch die Nachbarschaft des Atelierhauses. Auf dem bereits ausgewiesenen Baugrund des Breker­Wohnhauses errichtete der Architekt Werner Düttmann in unmittelbarer Nachbarschaft zum Atelierhaus das Brücke Museum.

Wenige Jahre später, 1971/72, wurde das zuvor von Vedova genutzt Großatelier auf Betreiben des Freundeskreises des Brücke Museums von dem Architekt Rolf Nieballa in acht kleinere Ateliers unterteilt. Diese wurden in der Folgezeit vom Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD) und dem Berliner Kultursenat an Künstlerinnen und Künstler aus aller Welt vergeben. Namhafte Repräsentanten ihres Faches wie Armando, Ouhi Cha, Jimmie Durham, Ayşe Erkmen, Dorothy Iannone, Jean Robert Ipoustéguy, Emmett Williams, Zhu Jinshi und Qin Yufen wirkten in diesen Räumen.

Auch im Westflügel des Gebäudes, wo sich das ehemalige Gips­ und Steinatelier befinden, arbeiteten in den 1980er und 1990er Jahren namhafte Künstler. So bezog der Künstler und Mitbegründer der Fluxus-Bewegung, Wolf Vostell, in den 1980er ­Jahren das große Steinatelier und wirkte dort bis zu seinem Tod 1998. Das zur Straße gelegene ehemalige Gipsatelier wurde nach 1998 über den DAAD unter anderem dem kanadischen Künstler Jimmie Durham und seiner Frau, der Fotografin Maria Thereza Alves, zur Verfügung gestellt. 2006 bezog die Künstlerin Elfi Fröhlich diesen Raum. Ab dem Folgejahr nutzte die Künstlerin Tina Born das daneben liegende Steinatelier.

Nach dem Um- und Rückbau 2014-2015 wurde im Sommer 2015 das Kunsthaus Dahlem als Ausstellungshaus für die Kunst der deutschen Nachkriegsmoderne in Ost- und Westdeutschland eröffnet.