Ausstellung

  • Was war Europa?
  • 29. Juni 2018 – 02. Juni 2019
  • 1950 eröffnete im Münchner Haus der Kunst die Ausstellung »Werke Europäischer Plastik«. Es war dies der erste Versuch deutscher Bildhauer nach 1945, sich in einen direkten Vergleich zur westeuropäischen Moderne zu stellen. Selbstbewusst konstatierten die Organisatoren – die vier Münchner Bildhauer und Akademieprofessoren Toni Stadler, Georg Brenninger, Josef Wackerle und Theodor Georgii – in der Einleitung zum Ausstellungskatalog: »Mögen die ausgewählten Skulpturen aus den verschiedensten Regionen plastischer Vorstellung sich nicht feindlich gegenüberstehen, sondern durch ihre Qualität eine innere Verwandtschaft aufzeigen.« Gezeigt wurden in dieser ersten europäischen Schau über 70 Werke von 35 deutschen sowie elf französischen, englischen, italienischen und schweizerischen Bildhauern, darunter so prominente Vertreter ihres Faches wie Henry Moore und Aristide Maillol. Entschlossen setzte man damit deutsche Bildhauerei Seite an Seite mit den renommiertesten Vertretern westeuropäischer Moderne.

    Im Rahmen der Ausstellung »Was war Europa?« werden die Werke der Münchner Schau –sofern sie zu identifizieren sind und auszuleihen waren – erneut versammelt. Die Ausstellung zeigt, wo sich die junge Bundesrepublik aus Sicht der Münchner Bildhauer im internationalen, westeuropäischen Kontext verortete. Die Auswahl konzentriert sich dabei auf die deutschen Positionen, die gemäß der Auswahl der Organisatoren seinerzeit, allesamt einer figürlichen Bildhauerei-Tradition zuzuordnen sind. Während in Berlin zur gleichen Zeit eine abstrahierende bzw. abstrakte Moderne Anerkennung fand, wie sie sich etwa in den ebenfalls ausgestellten Werken von Bernhard Heiliger manifestierte, bevorzugte man in Süddeutschland eine figürliche Tradition, die in einer intensiven Auseinandersetzung mit dem menschlichen Körper aber auch in Tierplastiken ihren Ausdruck fand.

    Setzte man 1950 dezidiert auf eine unpolitische Geste durch die Zusammenführung nationaler und internationaler Plastiken, so liest sich heute die damit verbundene Ausblendung der unmittelbaren Vergangenheit ebenso wie die Beteiligung einzelner Künstler, die auch am Kunstbetrieb im NS-Regime mitgewirkt hatten, als höchst problematisch. Im Kunsthaus Dahlem wird in einem dem Haus der Kunst ähnlichen architektonischen Rahmen die Präsentation nunmehr auch auf ihr politisches Ansinnen hin betrachtet.

    Anhand von rund 40 Skulpturen zeigt die Ausstellung »Was war Europa?« nicht nur die Vielfalt bildhauerischen Schaffens in einer figurativen Formensprache nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges, sie lässt auch die Kunst- und Künstlergeschichte des ersten Nachkriegsjahrzehnts und die Bemühungen um eine Wiederanbindung an eine internationale, westeuropäische Moderne Revue passieren. Berühmte aber auch weniger bekannte Bildhauerinnen und Bildhauer, darunter Ernst Barlach, Hermann Blumenthal, Wilhelm Lehmbruck, Priska von Martin, Toni Stadler et al. sind mit Werken aus öffentlichen Sammlungen und aus Privatbesitz vertreten. Zahlreiche Arbeiten werden erstmals seit 1950 wieder der Öffentlichkeit präsentiert.

WV P 56a, Kleine liegende Kuh, 1929 (MKK)

Ewald Mataré: Kleine Liegende Kuh (1929), (c) Museum Kurhaus Kleve - Ewald Mataré-Sammlung, Kleve, Deutschland; Foto: Annegret Gossens, Kleve, VG-Bild-Kunst, Bonn 2018.