04.07.2026 –
04.10.2026
BEINAHE DAZWISCHEN – Melanie Ender
Die Ausstellung almost in between (beinahe dazwischen) im Kunsthaus Dahlem ist die erste Einzelausstellung der österreichischen Künstlerin Melanie Ender in Deutschland. Für diesen Anlass entwickelte Ender eine Reihe feingliedriger, ortsspezifischer Installationen, die in einen Dialog mit der Architektur des Hauses und seiner Geschichte als Ort künstlerischer Produktion treten. Die Arbeiten setzen Enders prozessorientierte Praxis fort, die von Arbeitsabläufen, räumlicher Wahrnehmung und einer intensiven Auseinandersetzung mit Material als aktivem Gegenüber geprägt ist.
Eröffnung: 4. Juli 2026
Einlass ab 11 Uhr, Begrüßung um 15 Uhr
Kuratorin: Yevheniia Havrylenko (Kunsthaus Dahlem)
Nach der Beständigkeit
Melanie Ender hat für ihre Ausstellung im ehemaligen Staatsatelier von Arno Breker, einem der führenden Monumentalbildhauer des Nationalsozialismus, Werke konzipiert, die sich jedem Anspruch auf Dauerhaftigkeit widersetzen. Die Künstlerin untersucht, wie auf Stabilität und Kontrolle angelegte Strukturen im Laufe der Zeit ihre Offenheit für Transformation enthüllen. Gerade Linien geraten aus der Form, vermeintlich starre Metallstäbe balancieren in fragilen Situationen – Enders Arbeiten bleiben sensibel und reaktionsfähig gegenüber ihrer Umgebung. Auf diese Weise lösen sie feste Ordnungen auf und lassen Prozesse des Wandels erfahrbar werden.
Enders Auseinandersetzung mit der Geschichte des Ortes erstreckt sich auch auf die Materialien selbst. Wie in ihrer künstlerischen Praxis sonst auch sammelt und dokumentiert die Künstlerin Spuren und Rückstände, die bei der Arbeit mit Metall entstehen – etwa Roststaub und Eisenoxidabrieb – und überträgt diese anschließend als Pigmente auf Textilien. Auf diese Weise ermöglicht sie es diesen »archivischen« Materialien, auch in der Gegenwart Bedeutung zu entfalten.
Wider die Monumentalität
Neben ihrem Interesse an Prozessen der Veränderung eröffnen die Arbeiten von Melanie Ender eine weitere Dimension: eine Form von Körperlichkeit, die sich in den sichtbaren Spuren der Begegnung mit Materialien zeigt. Sie wird in materiellen Bedingungen vermittelt, die mit körperlicher Existenz verbunden sind: Die verdichteten Textiloberflächen tragen Spannungen und Risse, Konstruktionen offenbaren ihre Abhängigkeit von Stützen, und die Arbeiten insgesamt bewahren Spuren von Reibung, Kratzen, Druck und anderen Formen der Berührung.
Diese Körperlichkeit prägt auch die Beziehung der Arbeiten zum Raum. Anstatt die Maßstäblichkeit der Architektur aufzugreifen oder mit ihr zu konkurrieren, orientieren sich ihre Proportionen an menschlicher Präsenz und ermöglichen eine unmittelbare physische Beziehung zwischen Werk und Betrachter:in. Im Kontrast zur Monumentalität der Architektur rücken sie Aspekte von Verletzlichkeit und Fragilität in den Vordergrund.
Künstlerin
Melanie Ender (*1984) lebt und arbeitet überwiegend in Wien. Von 2006 bis 2013 studierte sie dort an der Universität für angewandte Kunst sowie an der Akademie der bildenden Künste. 2022 und 2023 erhielt sie das Staatsstipendium für bildende Kunst der Republik Österreich sowie den Förderungspreis der Stadt Wien. Zudem nahm sie an Residenzprogrammen in Rom, Istanbul, Turin, Mexiko-Stadt und Madrid teil. Ihre Werke sind in privaten und öffentlichen Sammlungen vertreten. Seit 2009 werden ihre Arbeiten im In- und Ausland von Galerien, auf Kunstmessen und in Museen wie dem Belvedere 21, der Neuen Galerie Graz – Museum Joanneum, dem Wien Museum MUSA, im Rahmen des internationalen Galerienfestivals curated by sowie in zahlreichen unabhängigen Ausstellungsräumen gezeigt.
FÖRDERUNG
Freundeskreis Kunsthaus Dahlem – Bernhard Heiliger e. V.
Bundesministeriums für Wohnen, Kunst, Kultur, Medien und Sport der Republik Österreich – BMWKMS: für Melanie Ender